Freitag, 15. Mai 2009

Novidades...

Hallo zusammen!
Lang ists her dass ich von mir hören ließ, wobei bilder ja auch als kommunikationsmittel dienlich sein können, so geschehen in meinem Fall.
Die Kurzreise nach Rio war spektakulär, das krasse kontrastprogramm zu recife.
Warum?
Wir kamen dort am flughafen an und wurden freundlich von einem Fahrer unseres Hotels empfangen. Auf der Fahrt zum Hotel fiel schon der unterschiedliche Dialekt auf. Die Cariocas - wie die Einwohner Rios genannt werden - haben einen krasseren singsang drauf, das heißt sie tragen ihre sätze fast wie liedzeilen vor, das ist zum einen sehr angenehm zu hören (man kennt diesen dialekt aus zahlreichen bossanovaproduktion, siehe tom jobim u.a.) und irgendwie auch besser zu verstehn. Außerdem wirkt dieser freundlicher und nich so dahingerotzt wie man es z.b. wunderbar auf einer taxifahrt durch recife wahrnehmen kann.

An meinem Geburtstag habe ich mir eine taxifahrt in rio gegönnt (was für ein Geschenk, dass ich mir da selbst machte), um schneller zu meiner Verabredung mit einem anderen deutschen Studenten zu gelangen und um ein wenig mit dem taxista zu plaudern und dem Dialekt zu lauschen.
So hat er mir über die favelas in rio berichtet, die teilweise eine erstaunliche infrastruktur aufweisen, ausgestattet mit asphaltierten Straßen, Apotheken, Läden und Schulen.....des weiteren besitzen die Bewohner zum großteil Fernseher, Kühlschrank und Klimaanlage...Dass das nicht repräsentativ ist für die favela an sich ist mir schon bewusst, aber interessant ist dieser fakt allemal. Ich hätte lust eine favela zu besuchen, hatte ich im Reiseführer gelesen dass das möglich ist, mit lokalem Führer der umfassendes wissen aufweist und diese Touren organisiert. Aber meine Begleitung in Rio war von dieser idee nicht so angetan, zu gefährlich! Glaube ich persönlich nicht, aber gut...nächstes Mal.

So Favela hätten wir erwähnt, ist dort wirklich omnipräsent, v.a. auf den zahlreichen Hügeln/Bergen mit denen Rio gesegnet ist, ein traurig-melancholisches Bild gibt diese Natur-Favela-Fusion ab.
Natur ist einer der Kontraste zu Recife. Beide Städte liegen am Meer und haben eine vergleichbare Strandpromenade mit zahlreichen Work-out-Stationen, kiosks, strandbars und sportiven Menschen, die nach dem perfekten Körper trachten oder ihn bereits stolz präsentieren...Rio kann aber mit dieser unglaublichen Lage zwischen Meer und Bergen auftrumpfen.
So fährt man mit dem Bus durch die Stadt, schaut verträumt aus dem Fenster und plötzlich türmt sich da ein monstrum von Berg vor einem auf...ab durch den Tunnel sieht man ein paar straßen weiter das tiefblaue meer glänzen...einfach perfekt.
Als Turist hält man sich eigentlich nur in in der Zona Sul auf, die die besseren Wohnviertel Rios einschließt, inkl Copacabana und Ipanema (....olha que coisa mais linda...).
Weiter vergleichend mit Recife wirkt dort alles urbaner, frischer, neuer, vielleicht vergleichbar mit einer Stadt wie Lisboa (nach Auskünften Davids der dort lebt fühlter er sich wie zuhause), also demnach einfach „europäischer" aber trotzdem exotisch..,
Die Cariocas geben ein bunt gemischtes Bild verschiedenster Einschläge ab - ethnisch gesehen - tendentiell aber eher europäisch (wir sprechen natürlich von der Mittel-bzw.Oberschicht).
Auch war die Interaktion mit den Leuten die wir dort kennengelernt haben irgendwie „gewöhnlicher" und vertrauter - verglichen mit Recife/Nordosten.

Alles in Allem also zwei extrem unterschiedliche Städte, beide mit ihren Reizen, wobei - das verraten wahrscheinlich meine Umschreibungen - ich mich eher mit Rio identifizieren kann.
So kaufte ich mir konsequenterweise ein T-shirt vom Stranddealer mit der Aufschrift „Carioca da gema" was frei übersetzt so viel heißt wie „Durch und durch Carioca"


Die anderen Fotos entstanden in Pipa (Rio Grande do Norte).
Ein chilliges hippie-surfer dorf mit viel Turies, Wellen und Delfinen, wobei ich persönlich letzteren nicht begegnet bin, die Wahrscheinlichkeit aber sehr hoch ist an einem der Strände mit ihnen zu schwimmen.
In Pipa hatten wir uns zu 12. Ein Haus für 8 gemietet, sodas immer jemand aufm Boden oder in der hängematte schlafen musste...aber ging schon irgendwie, der feine Malte hat immer ein gemütliches Matratzenplätzchen gefunden.
Tagsüber war Strand angesagt, abends party im Ort....die straßen waren tierisch vollgestopft mit turis, Brasilianern, Händlern, Imbisswagen...bei mir kam nur bedingt begeisterung auf, v.a. ist es immer schwierig sich mit so vielen leuten zu einigen wo man nun stehen bleibt, isst, tanzt etc...
Aber eine Nachte haben wir bis zum sonnenaufgang durchgehalten, ein qualitäts und spaßindikator wie ich finde...von daher war es eine seeehr chillige und lohnende Microreise.


Wohntechnisch bin ich nochmal umgezogen. Auf Dauer war es in meinem alten Heim schwer auszuhalten, die nächtliche hitze, die moskitos, der limitierte Raum in den Gemeinschaftskühlschränken etc....Also bin ich mit 2 Portugiesinnen und einem Belgier ins Strandviertel gezogen, ins hochhaus direkt am strand, sprich Meerblick aus allen Zimmern, immer eine angenehm kühle brise, praktisch keine moskitos...und ein wesentlich besseres Leben allgemein zwecks nächtlichen Aktivitäten, den Möglichkeiten sich auch bei Dunkelheit an der Strandpromenade aufzuhalten, sportliche Betätigung etc.
Recife is dadurch auf jeden fall um einiges cooler geworden, was mich sehr freut, denn zwischenzeitlich war ich extrem genervt von meinem Leben hier.

Aber so ist das wenn man in eine andere Welt eintaucht, es gilt die verschiedensten Herausforderungen anzunehmen und man wird zum „life-manager", will meinen man muss in kürzester Zeit (die Zeit vergeht inzwischen wie im fluge) sein Leben (welches ja fast unabhängig vom alten ist, also quasi ein Satellitenleben) umorganisieren, in den zahlreichen Lebensbereichen - Uni, Wohnen, Freunde, Aktivitäten, Ernährung, Reisen etc - agieren, Entscheidungen treffen um dann hoffentlich am Ende eine positive Bilanz aufweisen zu können, sprich eine richtig geile Zeit gehabt zu haben! Das ist jetzt natürlich penetrant ökonomisiert beschrieben, aber letztlich läuft es glaube ich so im Satellitenleben ab (und vielleicht auch im irdischen?)


Yo, also bis bald ma wieder....Abracos do Recife!!!!